Eine neue Studie der Harvard Business School beweist, dass Banken gute Chancen haben, den AZV zurück zu holen – vorausgesetzt, sie justieren die richtigen Stellschrauben.
Fragt man in einer Bank, warum im Auslandszahlungsverkehr Transaktionsvolumen und Kunden zu spezialisierten digitalen Anbietern abwandern, hört man fast immer dieselbe Antwort: Sie sind billiger. Das ist eine bequeme Erklärung, denn sie zeigt auf etwas außerhalb der eigenen Kontrolle: Korrespondenzbanken kosten, was sie kosten, und einen Preiskampf will in einem Geschäft, das einen spürbaren Teil der Payment-Erträge trägt, niemand vom Zaun brechen.
Eine neue Studie aus Harvard legt allerdings nahe, dass diese Erklärung falsch ist.
Die wissenschaftliche Forschung zeichnet ein anderes Bild
Im Februar 2026 haben Wenxin Du, Catherine Huang und David Scharfstein von der Harvard Business School ein Working Paper vorgelegt. Es vergleicht drei Wege für grenzüberschreitende Zahlungen: Banken, spezialisierte Zahlungsdienstleister und Stablecoins. Wenn es um die Kosten und Gebühren geht, ist der Befund eindeutig: Bei Privatkundenüberweisungen liegen die Devisenaufschläge der Banken um ein Vielfaches über dem, was spezialisierte Anbieter für dieselbe Zahlung verlangen. Das gilt selbst für die liquidesten Währungspaare, also dort, wo sich nichts mit Marktknappheit rechtfertigen lässt. Am oberen Rand der Spanne werden bis zu zehnfach höhere Aufschläge als bei der Konkurrenz erhoben.
Bemerkenswert dabei ist, wie die Autoren das einordnen: Sie führen die Lücke nicht auf höhere Kosten der Banken zurück, sondern einerseits auf Reibungsverluste im Korrespondenzbankgeschäft und andererseits auf Preissetzungsmacht. Und ebendiese Preissetzungsmacht gibt es lediglich, weil die Kunden – bislang – geblieben sind.
Ein weiterer wichtiger Satz steht ein paar Zeilen weiter, und er handelt nicht vom Geld:
„Eine internationale Devisen-Überweisung zu senden erfordert nicht selten einen Besuch in der Filiale, und es gibt in der Regel keine Möglichkeit, die Zahlung zu verfolgen, sobald das Geld vom Konto des Absenders abgebucht wurde.“
Übersetzung aus dem englischen Original.
Dem gegenüber steht, was die alternativen FinTech-Provider bieten: vollständig digitale Oberflächen; transparente Preise, die im Voraus kommuniziert werden; und Transaktionsverfolgung in Echtzeit. Liest man beide Befunde nebeneinander, sieht die Abwanderung nicht mehr nach einer reinen Preisdiskussion aus: Wer für eine Auslandsüberweisung in die Filiale muss und danach nicht weiß, wo sein Geld ist, vergleicht keine Aufschläge; er vergleicht, ob die Sache funktioniert.
Der Moment, in dem die Entscheidung für oder gegen die Bank fällt
Wie das konkret aussieht, zeigt ein Dienstagvormittag in einem Unternehmen, das mit Zahlungsverkehr eigentlich nichts zu tun hat. Eine Lieferantenrechnung aus Taiwan kommt herein. Jemand aus der Buchhaltung öffnet die Banking-App oder das Online-Banking, tippt sich zur Auslandsüberweisung durch und sieht sich mit einem riesigen Formular konfrontiert. Empfängername, vollständige Adresse in einzelnen Zeilen, Kontonummer, internationale Bankkennung, ein Routing-Code, dessen Format vom Zielland abhängt, Währung, Verwendungszweck, Referenz, und weitere mehr.
Jeder dieser Werte steht auf der Rechnung, die zugrunde liegt. Die App bittet trotzdem darum, alles abzutippen. Ein paar Mal im Jahr kommt das vor, doch nie regelmäßig genug, um Routine zu entwickeln, allerdings immer noch oft genug, um sich zu erinnern, wie anstrengend es beim letzten Mal war. Vorsichtiges Tippen und mehrfaches Prüfen vor dem Absenden – um Tage später dann von einem Fehler zu erfahren, wenn die Zahlung fehlgeschlagen zurückgebucht wird, je nach Institut abzüglich der angefallenen Entgelte.
Hier fällt die Entscheidung, nicht im Preisverzeichnis und nicht beim Kurs auf dem Bestätigungsscreen. Am Formular zeigt sich, ob eine Bank als verlässlicher Ort für internationale Zahlungen wahrgenommen wird, und ausgerechnet dieses Formular haben die meisten Modernisierungsprogramme nie angefasst.
Was auf dem Spiel steht – und was nicht
Banken haben die Kundenbeziehung im Auslandszahlungsverkehr nicht verloren. Rund drei Viertel der grenzüberschreitenden Zahlungsströme kleiner und mittlerer Unternehmen laufen weiterhin über Banken. Allerdings wickeln 35 bis 50 Prozent der KMU und Mid-Corporates, in Europa wie in Nordamerika, bereits einen Teil dieses Volumens über Fintech-Anbieter ab. Auffällig daran ist, dass diese Zahl unabhängig voneinander bei Mastercard und bei McKinsey auftaucht.
Auf das Wort „Teil“ kommt es allerdings an: Niemand wechselt alles auf einmal. Typisch ist, dass eine Zahlung woanders hingeht, weil es an dem Tag einfacher war, und die nächste dann auch. Jede dieser Teilverlagerungen verschiebt Marge aus einem der profitabelsten Bereiche des Zahlungsgeschäfts hin zum Wettbewerb. Diese Marge ist gefährdet, verloren allerdings noch nicht.
Von der Ertragsseite her schärft McKinsey das Bild. Grenzüberschreitende Zahlungen mit geringem Betrag machen rund ein Zehntel des Transaktionsvolumens aus, liefern aber etwa ein Drittel der Erträge. Mit jeder Einzelentscheidung gegen die Hausbank trägt sich also ein überproportional profitables Segment ein Stück weiter ab – ausgerechnet dort, wo es am meisten wehtut.
Das Problem liegt nicht in der Infrastruktur
Im Zahlungsverkehr gibt es einen Reflex: Jede Cross-Border-Frage bekommt eine Infrastruktur-Antwort. Rails modernisieren, einem Scheme beitreten, mit jemandem kooperieren, der es schon gemacht hat.
Nur sind die Rails inzwischen weitgehend in Ordnung. Seit Ende 2025 laufen grenzüberschreitende Zahlungen im Netzwerk auf einem einheitlichen strukturierten Standard. Binnen einer Stunde erreicht die große Mehrheit der korrekt initiierten Zahlungen die Empfängerbank. Diese teure und unspektakuläre Arbeit hat die Branche gemacht, und sie hat funktioniert.
Entscheidend ist dabei die Einschränkung „korrekt initiiert“. Alle diese Investitionen haben verbessert, was nach dem Absenden geschieht; der Bildschirm allerdings, auf dem die Zahlung entsteht, wurde von keiner Verbesserung berührt. Ein Zahlungssystem kann Daten nicht reparieren, die es nie korrekt erhalten hat, denn was ankommt, ist das, was der Kunde getippt hat.
Damit landet die Bank in einer merkwürdigen Lage: moderne Infrastruktur, wettbewerbsfähige Leistung und ein Kundenerlebnis aus dem vorletzten Jahrzehnt. Das ist kein Problem der Infrastruktur, sondern der ersten Meile und der User Experience. Und lösen lässt es sich zu einem Bruchteil der Kosten.
Wo die Reparatur notwendig ist
Die Lösung ist unspektakulär, was vermutlich erklärt, warum sie so lange keine Aufmerksamkeit bekommen hat: Kunden sollen aufhören abzutippen, was ohnehin vor ihnen liegt. Genau das leistet Cross-Border Photo Payment Initiation.
Der Kunde fotografiert die Lieferantenrechnung oder lädt sie hoch, als Foto, als PDF, auch als Screenshot aus einem Messenger. Gini liest die Zahlungsdaten aus und gibt sie in das Überweisungsformular zurück: Empfänger, Adresse, Kontodaten, Bankcode, Betrag, Währung. Und mit dem Frontend von Gini werden die Eingaben in Echtzeit geprüft, noch während der Kunde in der Strecke ist. Damit fällt ein unplausibler Bankcode sofort auf, nicht erst Tage später. Der Kunde prüft, gibt frei und macht weiter.
Bei der Bank kommt ein vollständiger, korrekt strukturierter Zahlungsauftrag an, übergeben an die bestehenden Systeme für den Auslandszahlungsverkehr. Hinter der Initiierungsebene ändert sich nichts: keine neue Rail, keine Neubepreisung, kein Kernbankenprojekt. Institute, die Ginis Fotoüberweisung im Inland bereits einsetzen, kennen den Weg ohnehin. Für sie ist Cross-Border die Erweiterung einer Integration, die Sicherheit, Compliance und Entwicklung längst freigegeben haben.
Der strategische Punkt
Die unangenehme Lesart der Harvard-Ergebnisse lautet, dass Banken um die falsche Variable konkurriert haben. Die ermutigende Erkenntnis lautet: Ausgerechnet die Variable, auf die es bei den Kunden ankommt, können sie noch verändern, ohne Preise oder Infrastruktur anzufassen.
Banken besitzen, was kein spezialisierter Anbieter nachbauen kann – die Kontobeziehung, das Vertrauen, die Rails, den regulatorischen Stand. Gefehlt hat immer nur der konsequente Schritt bis zur UX-Ebene: jener Moment, in dem aus einer Rechnung eine Zahlung wird. Dieser Moment ist keine Nebensache des Auslandszahlungsverkehrs; er wird zum Haupttreiber des Geschäfts.
Cross-Border Photo Payment Initiation ist Ginis Produkt für Banken, die die Lücke in der Initiierung in der App und im Online-Banking schließen wollen. So funktioniert es.
Quellen
- Du, W., Huang, C. & Scharfstein, D. (2026). Competing Rails for Cross-Border Payments: Banks, Fintechs, and Stablecoins. Harvard Business School Working Paper, 15.02.2026. https://www.hbs.edu/faculty/Pages/item.aspx?num=68673
- Mastercard, KMU-Cross-Border-Research 2024.
- McKinsey & Company, How banks can win back lower-value cross-border payments business.
- SWIFT: ISO 20022 seit November 2025 live; 90 % der korrekt initiierten Zahlungen binnen einer Stunde (SWIFT-Pressemitteilung, Oktober 2024).
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